Bildungsgewitter

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Noten sind das Maß aller Dinge… heutzutage.

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

 

mit einer Schonfrist von zwei Jahren beginnen Schüler ihr Dasein im Notenwahnsinn. In den ersten zwei Jahren des Grundschule gibt es – Gott sei Dank – noch keine „Noten“ sondern schriftliche Bewertungen durch die Lehrer. Ab der dritten Klasse geht der Kampf um die Noten – zunächst für die Eltern und alsbald auch für die Schüler – unbarmherzig los. Plötzlich ist die eigene Arbeit nicht mehr lobenswert, sondern eine „zwei“. Die Aufgabe ist nicht mehr verbesserungswürdig sondern eine „fünf“.

Bei der unzähligen Anzahl an Schülern, Talenten, Stärken und Schwächen reicht es in unserem System scheinbar aus eine Bewertung zwischen 1-6 auf eine Prüfung, ein Referat, eine Hausarbeit oder ähnliches zu geben. Natürlich kommt es in unserem System immer auf Quantität an – es müssen möglichst viele Bewertungen für möglichst viele Schüler in einem möglichst kurzen Zeitraum vorliegen. Einerseits stehen die Lehrer unter einem so unfassbaren Druck, dass sie kaum Zeit für eine individuelle Bewertung der Schüler haben, andererseits wird das Simple Past im Englischen über 3 Wochen durchgenommen. Ich sehe da eine gewisse Widersprüchlichkeit.

Alternative Schulmethoden, die ganz ohne Bewertungen auskommen halte ich ebenfalls für grundlegend falsch und für ein Extrem in die falsche Richtung. Natürlich benötigt jeder Mensch – und damit auch und besonders die Schüler – ein Feedback bezüglich ihrer Leistungen. Ein völliges Ausbleiben von Bewertungen führt zu einer riesigen, rosafarbigen, plüschigen Blase, in der die rohen Eier aka Schüler durchs Leben gerollt werden.

Feedback ist und bleibt wichtig – aber in dem derzeitigen Bildungssystem werden in meinen Augen zu viele unbedeutende, nichtsaussagende Einzelbewertungen anhand des viel zu kleinen Rahmens gemacht. Plötzlich hat Schüler Klaus eine 1 im Mündlichen in Geschichte, weil er in der ersten Reihe sitzt, dem Lehrer nett zunickt und in der Klausur entsprechend gut war. In Deutsch, einem Fach, in dem der Lehrer von Klaus sehr anspruchsvoll ist, meldet sich Klaus regelmäßig und gibt im Rahmen seiner Möglichkeiten Beträge ab. Klaus erhält eine 2- im Mündlichen.

Die Lehrer sind in meinen Augen oft gar nicht in der Lage die Noten entsprechend einzuschätzen und zu verteilen. Einser sollten nicht so leichtfertig vergeben werden, wie es heutzutage der Fall ist. Sympathie tut schließlich auch noch ihre Sache. Eine „eins“ ist immerhin die bestmögliche Note – quasi die ultimative Perfektion. Wie viele Einser habe ich in meinem Leben schon bekommen, die weit entfernt vom Wörtchen „Perfektion“ waren?

Die Abstufung in der Oberstufe halte ich für sinnvoll. Eine Notenspanne von 0-15 halte ich für differenzierter als die Alternative in den unteren Klassen. Warum kann man nicht allgemein auf ein 15-Punkte System zurückgreifen? Sicherlich ist es viel zu aufwendig…

Nichtsdestotrotz kann man sich darüber streiten, ob die Bewertungen für Leistungen subjektiv sind (besonders im Mündlichen und in Fächern wie Deutsch) oder objektiv erfasst wurden. Jedenfalls sollte der Schüler von heute die Möglichkeit haben ohne Notendruck Leistung erbringen zu wollen – jedoch wird jede Arbeitsleistung sofort per Note erfasst und bewertet. Schüler gehen ängstlich am nächsten Tag in die Schule, weil sie ja in mindestens 3 Fächern „abgefragt“ werden könnten. Auf Dauer ist das sicherlich keine adäquate Lösung. Druck kommt natürlich automatisch dazu – von den Eltern, der Schule, dem zukünftigen Arbeitgeber, des zukünftigen Ausbildungsinstitutes werden ausgezeichnete Noten verlangt. Obwohl inzwischen in zahlreichen Studien erwiesen ist, dass die Noten lediglich die Ausbildungs-/Studienabschlussnote beeinflusst und NICHT die spätere Arbeitsleistung.

Uns sind zwar solche Studien bekannt, aber diese sind scheinbar nicht zu unseren Bildungspolitiker-Urgesteinen vorgedrungen und so geht der Notenwahnsinn immer weiter.. und weiter.. und verdrängt intrinsische Motivation durch extrinsische Motivation.

Die Akademikerflut naht..

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

 

in den Medien hört man immer wieder, dass eine Akademikerflut droht. Doch was heißt das überhaupt?

Von den weiterbildenden Schulen (nach der Grundschule) ist die Realschule die Populärste. Es kommt allerdings dazu, dass immer mehr Schüler auf das Gymnasium geschickt werden, obwohl sie vielleicht für die Realschule oder die Hauptschule besser geeignet wären. Die Eltern, welche vielleicht selbst Akademiker sind, sehen es als Versagen, wenn ihr Sohn oder ihre Tochter den Übertritt in das Gymnasium nicht schafft. Umso mehr wird diese Schule dann eine Qual – unzählige Nachhilfestunden und kaum Freizeit sind oft unabdingbar, um sie „durchzuziehen“. Was hat das für einen Nutzen? Ein Schüler muss nicht zwangsläufig „dümmer“ sein, nur weil er auf dem Gymnasium Schwierigkeiten hat. Viele Menschen sind von Natur aus eher Praktiker – werden aber in einen Lern-Beruf gezwängt, da dieser vielleicht erhöhte soziale Reputation verspricht. Durch meine Arbeit als Nachhilfelehrerin bin ich immer wieder auf Schüler gestoßen, die wirklich Probleme mit den Methoden in der Schule haben. Sei es, dass ihre Auffassungsgabe für komplexe, abstrakte Lerninhalte schlechter ist oder sie andere Interessen haben und dementsprechend die Schule darunter leidet. Durch den Notendruck und den Druck der Eltern lernen die Schüler, dass Lernen mit oft mit Strafe (im indirekten Sinne) verbunden ist – was sie negativ im Bezug auf Wissensaufnahme prägt.
Ich habe auch schon oft genug Drohungen von Eltern gehört:

„Wenn du das nicht endlich kannst, dann schicke ich dich auf die Realschule!“

Warum ist das eine Drohung? Warum muss das eine Drohung sein? Vielleicht ist das die passende Schule für den Schüler – dann ist das eher eine Belohnung als eine Bestrafung. In unserem System gibt es auch später (durch Abendschule etc.) die Möglichkeit sein Abitur nachzuholen – wenn man sich noch umentscheidet.

Abgesehen davon ist es inzwischen MÖGLICH sich durch das Gymnasium zu kämpfen, obwohl man vielleicht nicht geeignet ist. Nachhilfestunden sind eine Möglichkeit. Vor allem aber ist es der veränderte Umgang mit dem Wissen. Noch vor 20 Jahren hat man nicht kurz „Wikipedia“ befragt, wenn man ein Referat halten musste. Man konnte sich keine Buchzusammenfassungen- und Interpretationen durchlesen und diese als seine eigene Meinung verkaufen. Das benötigte Recherche, bei welcher man das Haus verlassen musste (unglaublich!). Man war auf das Wissen von Älteren oder den Brockhaus im Regal angewiesen. Um ein Fremdwort herauszufinden musste man Lexika wälzen anstatt dieses in Google einzugeben.
Ich bin absolut froh, dass wir inzwischen so einen gewaltigen Zugang zu Wissen haben, aber unsere Schulsysteme kommen aus einer Zeit, in der an solch eine Neuerung kein Hindenken war. Früher wurde ein gute recherchiertes Referat zurecht mit einer Eins bewertet, heutzutage reicht das Abschreiben aus Wikipedia. Früher mussten wir Spickzettel (was nicht draufstand, stand eben nicht drauf ;-)) schreiben, heute gibt’s Smartphones. Mit etwas Geschick und entsprechenden (veralteten..) Lehrkräften kommt so jeder an sein Abitur ohne quasi das Hirn einzuschalten. Deshalb müssen Prüfungen geändert werden – Interpretationen bzw. Reflektionen von Themen, Aufsätze, freies Denken und konstruieren von neuem Wissen sollte bewertet werden  – und nicht nur das Recherchieren und Wiedergeben von Wissen. Kognitive Flexibilität sollte höher bewertet werden – denn der Wissenserwerb ist heutzutage deutlich einfacher als noch vor 20 Jahren. Leider stecken wir immer noch in einem veralteteten Schulsystem fest mit einem Großteil von Lehrern, die ohne Internetzugang aufgewachsen sind und NICHT bereit sind diese neuen Medien entsprechend zu quittieren. Wenn ich bedenke wie viele Lehrer immer noch mit Overhead-Projektor arbeiten.. – ohne Kommentar.

Das alles führt nun dazu, dass jeder, der dazu fähig ist, durch das Gymnasium geschleift wird, sein Abitur mehr schlecht als recht abschließt und anschließend (natürlich!) studiert. Das führt zu steigenden (bereits spürbaren) Studienbewerbern und in Folge zu noch einschneidenderen Zulassungsbedingungen. Eine frühe Potentialanalyse würde das vorbeugen. Fernab von vermeintlicher gesellschaftlicher Reputation und determinierenden Faktoren. Man sollte sich nicht schämen müssen, nur weil man gerne Schreiner, Bäcker, Erzieher oder Verkäufer werden möchte – man muss nicht studieren, wenn man andere Ziele hat! Ich ziehe meinen Hut vor Leuten, die früh wissen, was sie wollen und diesen Weg entsprechend ebnen. Das Denken, dass ein Studium der einzige Weg zu unendlicher Kompetenz ist, sollte verändert werden.

Das sollte in den Köpfen der Eltern, der Mitschüler, der Lehrer und der Gesellschaft stattfinden.

Doch zunächst muss jeder Einzelne von uns seine Haltung ändern.

Was bleibt von unserem Wissen? Teil 2: Studium

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

 

letztes Mal haben wir über die Schule geredet und herausgefunden, dass das Wissen eher quantitativ als qualitativ ist. Doch wie ist es nach dem Abitur? Wird im Studium alles besser? Wir studieren doch immerhin (hoffentlich) unser Wunschfach – da sollte doch alles interessant und vor allem relevant für unseren späteren Beruf sein. Leider trifft auch das nicht immer zu. Der Frontalunterricht geht nämlich auch in der Uni überwiegend weiter. Vorlesungen, die anfangs noch überfüllt sind, leeren sich im Laufe des Semester, da der Dozent bzw. Professor nur sein Skript runterdiktiert. Selbst dem motiviertesten Studenten wird irgendwann klar, dass er das 150-Seitige Skript sowieso nochmal „auswendig“ lernen muss.
Ein „Verstehen“ der Lektüre hilft bei den überwiegenden Multiple-Choice-Fragen recht wenig, da hier eher auf Reproduzieren Wert gelegt wird. Selbst wenn man den Stoff beherrscht, kann man bei Multiple Choice Aufgaben bewusst verwirrt werden und je nach Prüfungsmodus auch noch Minuspunkte kassieren. Offene Prüfungen sind dabei schon wesentlich fairer – aber auch aufwendiger. In fast jedem Fach (zumindest in Psychologie) wird ein anderer Prüfungsmodus vorgelegt: Multiple Choice (Minuspunkte, Single-Choice etc.), Offene Fragen, gemischte Prüfungen (offen + MC), mündlich, Präsentationen, Hausarbeiten. Kann man sich nicht auf einheitliche Prüfungen einigen? Es sollte nicht nur am Prüfungsmodus liegen, ob ich gut in einem Fach bin.

Dann sitzt man schließlich während der Prüfungsvorbereitung da und studiert das prüfungsrelevante Skript und die Power-Point-Folien. Man fragt sich wie man die Masse an Wissen in seinen Kopf quetschen soll, um es zur Prüfung parat zu haben. Auswendig lernen? Zuviel Stoff. Verstehen? Reicht nicht zum Bestehen. Exzerpieren und Paraphrasieren und hoffen, dass vielleicht etwas dran kommt? Schon eher.
Am Besten immer die fett gedruckten Wörter und Phrasen besonders gut lernen, wenn mehrere Begriffe mit Spiegelstrichen dargestellt sind, dann muss man diese auswendig lernen und schwierige, unverständliche Definition einfach mehrmals vorsagen. Das sind die Methoden, nach denen Studenten ein Skript durchgehen! Schließlich besteht man so am Besten die Prüfungen! Was drinnen stand? Keine Ahnung.

Auch hier sind wir wieder absolut extrinsisch motiviert. Die Prüfung ist alles, was zählt (immerhin müssen wir eine entsprechende Bachelor-Durchschnittnote erreichen, damit wir überhaupt weiter studieren dürfen!), daher werden sogar interessante Fächer zum Teilnehmer eines Lernmarathons. Zusätzliche Literatur, die nicht prüfungsrelevant ist? Gerne, nur leider habe ich dafür keine Zeit, denn ich muss ja noch 150 Seiten auswendig lernen – das ist immerhin wichtiger! Wenn man also nicht gerade mit einem fotographischen Gedächtnis gesegnet ist, dann braucht man dafür schon seine Zeit.
Was habe ich mich auf das Fach Klinische Psychologie gefreut – schon vorher hatte ich mir ein Buch gekauft und reingelesen. Dann habe ich die knapp 1500 Folien (!) zur Vorlesung gesehen und mir ist die Lust vergangen. Es ging ab da an nur noch um’s auswendig lernen – anders wäre die Prüfung nicht zu machen gewesen.

Wem müssen wir etwas beweisen? Sind wir ein besserer Arzt, Lehrer, Psychologe, Ingenieur oder Anwalt, weil wir im Studium toll Definitionen auswendig lernen konnten? Das ist scheinbar das Ziel unseres Studiums. Wir lernen Massen an Wissen, das wir zum Teil später gar nicht mehr brauchen bzw. uns nicht mehr daran erinnern. Wir brauchen mehr Diskussionen in der Vorlesung anstatt Frontalunterricht mit mitschreibenden Lernzombies. Reflektion von Informationen, die man soeben gehört hat, interessante Fragen und Beteiligung von wissbegierigen Studenten – so sollte Studium aussehen. Das sehe ich gerade einmal in den Seminaren, aber die Vorlesungen sind so veraltet wie in dem Jahr, an dem die Universität gegründet wurde.

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich in meinen 3 Monaten Praktikum mehr gelernt als in 3 Jahren Studium. Das ist wirklich traurig. Warum kann man das Wissen nicht fokussieren und beibringen, was wirklich relevant ist?

Die Wissensbulimie kennen wir ja schon von der Schule.. und müssen es wohl im Studium so weiterführen. Und es werden immer mehr Schüler abschließen, die vom Studium nicht mehr erwarten. Sie setzen sich in die Vorlesung und warten bis gesagt wird, welches Skript prüfungsrelevant ist und dann gehen sie nach Hause. So kann man in Deutschland ein Studium abschließen! Das ist eine Katastrophe, über die brav geschwiegen wird.

Die Folge: Unqualifizierte Absolventen, die quasi nicht mehr wissen als nach ihrem Abitur und keinerlei weitere „Skills“ besitzen, außer „Auswendiglernen“. Ich will noch anmerken, dass sich das auf das klassische Studium an einer Universität bezieht und nicht auf Fachhochschulen oder spezielle, private Studiengänge.

Sicher, die Masse an Studenten will bedient werden und man muss ein Gleichgewicht zwischen Quantität der Studenten und Qualität des Studiums finden – aber wären die Ansprüche höher (oder sagen wir „anders“), dann wären die Studiengänge vielleicht gar nicht mehr so überfüllt.. Auswendiglernen kann jeder – Verstehen erfordert da schon ganz andere Ressourcen.

Denkt mal selbst über euer Studium nach – was genau könnt/konntet ihr davon später noch gebrauchen? Und was habt ihr nur getan, um die Note/den Schein zu bekommen? Die Antwort wird vermutlich ernüchternd sein…

 

Was bleibt von unserem Wissen? Teil 1: Schule

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

 

viele von uns haben etliche Jahre in ihre Bildung investiert. 12-13 Jahre entfallen dabei auf die Schule und etwa fünf Jahre auf das Studium. Doch für manche ist auch das noch nicht das Ende der Ausbildung – es folgen 3-5 Jahre Spezialisierung (Psychotherapeut, Facharzt etc.). Oft lernt man jedoch nur im letzten Abschnitt der jahrelangen Ausbildung die Handgriffe, die später im ausgeübten Beruf nützlich sind.

Ich stelle hiermit also die Fragen: Was bleibt nach der Bildung? Wie qualitativ ist die Bildung eigentlich?
Um das zu klären, will ich auf die einzelnen Ausbildungsabschnitte eingehen und heute mit der Schule beginnen.

Die Schule (am Beispiel des häufigsten Bildungsweges: Grundschule-Gymnasium-Abitur):

Hierbei werden die Grundlagen gelegt, um später einen entsprechenden Beruf auszuüben. Man lernt nicht nur Fachspezifisches wie Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch Grundwerte wie das tägliche, pünktliche Erscheinen und die zuverlässige Erledigung von Aufgaben. Schließlich lernen wir Fremdsprachen, Geschichte, Biologie, Chemie – was uns allen eine Art Allgemeinbildung verschaffen soll. Trotz jahrelanger Bildung haben die meisten Abiturienten eine mehr als mangelhafte Allgemeinbildung. Was ich in meinem Umfeld, teils bei Kommilitonen sogar noch, sehen kann, ist ein unglaubliches Defizit an Allgemeinbildung. Und das trotz der jahrelangen Ausbildung in der Schule.

Was läuft hier falsch?

Der Schüler geht jeden Tag in die Schule – ganz unabhängig davon ob er das nun will oder nicht. In acht Stunden Schule werden teils acht verschiedene Fächer gequetscht, die alle mehr oder minder in den Interessensbereich des Lernenden fällt. Die Motivation und Qualität der Lehrenden wiederum schwankt von Fach zu Fach. Die Einen sind mit Begeisterung Vertreter ihres Themengebiets, die Anderen praktizieren jahrelang den gleichen, langweiligen Frontalunterricht. Ich bin mir sicher, dass so ziemlich jeder Schüler diese Schwankung bestätigen kann.
In manchen Fächer ist die Stoffmenge, die in einem Schuljahr durchgenommen werden muss so enorm, dass alles schnell abgehandelt wird – ohne Rücksicht auf Verluste. Andere Fächer werden unnötig lang gezogen. Ich erinnere mich an meinen Spanischunterricht in der Schule – ich habe drei Jahre lang fast täglich Spanisch gelernt und war in vielen Gebieten der Sprache immer noch nicht so stark wie ich es nach so einem langen Zeitraum sein sollte. Nach der Schule habe ich freiwillig erneut einen Spanischkurs besucht, um meine Kenntnisse aufzufrischen. Ich habe diesen Kurs in einem Semester belegt, wobei der Kurs an einem Tag der Woche als 4-stündiger Block stattfand. Anzumerken ist noch, dass ich den Anfängerkurs wählte, da ich befürchtete in einem der fortgeschrittenen Kurse Schwierigkeiten zu bekommen. Nach einem Semester schloss ich das Fach sehr erfolgreich ab und fühlte mich deutlich sicherer – und hatte in einem halben Jahr das Gleiche gelernt wie in drei Jahren Schule!

Der Unterschied liegt darin, dass ich es freiwillig getan hatte. Mich zwang niemand dazu und ich wollte die Sprache lernen. Es gab keinen Leistungsdruck, da mir die Note der Abschlussprüfung grundsätzlich egal war. Es machte Spaß.

Teilweise kommt einem die Zeit in der Schule vor als müsse man Zeit absitzen. Die ewig gleichen Übungen, die man vielleicht sowieso schon beherrschte,  ein Tafelbild nach dem anderen abschreiben und den Zeiger Uhr anbeten, dass er sich doch schneller bewegen möge. Damit man endlich entlassen wird in die reale Welt, die Welt in der man später leben und arbeiten wird.
Ich hätte mir gewünscht ein kompakteres, kürzeres Schulprogramm zu haben, in dem man zur Schulzeit auch wirklich etwas lernt. In welchem einem dargelegt wird, dass Lernen etwas Gutes ist und vor allem etwas, das man macht, weil man Wissen bilden möchte und nicht weil in der nächsten Stunde ein Test ansteht.

Prüfungen sind in der Schule das Einzige, was zum Lernen animiert. Es mussten Dinge auswendig gelernt werden – ob sie nun wichtig sind oder nicht. Man verliert als Schüler den Überblick darüber, was wirklich wichtig ist und was man nur lernt, weil Zeit ausgefüllt werden muss.
Da ich neben meinem Studium Nachhilfe gebe, sehe ich immer wieder, dass die Schüler Hausaufgaben mit nach Hause bringen, die völlig unnötig sind – aber eben „Hausaufgaben“ – damit irgendwas gemacht wird.
Woher soll ein Schüler wissen, dass solides Wissen über die Weltkriege für die Allgemeinbildung bedeutsam ist, aber die Geburts- und Sterbedaten von Heinrich dem Xten in der Priorität hinten an stehen? Die Gewichtung der Note ist immerhin für beide Themen äquivalent.
Außerdem reicht es für viele Prüfungen das letzte Tafelbild auswendig zu lernen und bei der Prüfung hinzuschreiben, aber in der übernächsten Stunde kann man sich daran vermutlich nicht mehr erinnern. Oder könnt ihr euch nur an einen Bruchteil der Themen erinnern, die ihr in den Lernfächern gelernt habt? Vermutlich nicht, denn Quantität geht in der Schule deutlich über Qualität.
Erinnern kann man sich an Referate, gemeinsame Übungen, Projekte oder spannende Diskussionen – aber sicher nicht an diesen riesigen Haufen Frontalunterricht.

Mein Vorschlag ist also, dass man die Schulzeit kompakter gestaltet, um früh genug relevante Fächern wählen zu können. Nicht jedes Thema, das man beherrschen sollte, macht Spaß. Durch die Reduzierung der Menge und das Wecken von Interesse beim Schüler lässt sich allerdings ein gewisser Spielraum bilden, in dem Eigeninitiative und intrinsische Motivation zum Lernen Platz haben. Wer nicht gerne Wissen bildet, der sollte die Laufbahn mit dem Ziel eines Abiturs nicht anstreben – das mag hart klingen, aber Menschen sind nunmal nicht alle gleich. In jedem Beruf, den man nach dem Abitur ausüben kann, sollte man selbst Wissen bilden wollen. Ob es nun Arzt, Anwalt, Psychologe, Designer, Restaurantmanager oder Steuerberater ist – eine stetige, selbstständige Bildung an Wissen verhilft einem zur besseren Ausübung des eigenen Berufes. Es muss nur wieder das Interesse daran geweckt werden lernen zu wollen! Die Schüler sollten nicht nur dann zwanghaft lernen, wenn eine Prüfung ansteht, sondern die Sprache oder das spezielle Fach verinnerlichen wollen. Das Auswendiglernen und Wiedergeben des Lernstoffs ist zur Routine geworden.

Leider ist ein Wandel hierbei sehr schwierig und setzt eine gewisse Haltung der Lernenden voraus..

.. doch Frontalunterricht und Wissensbulimie ist sicher nicht der richtige Weg zu einem vielseitigen, motivierten Absolventen.

Nächstes Mal will ich auf die Lehrmethoden und unsere Erfahrungen im Studium zu diesem Thema eingehen. Immerhin hat man dann (hoffentlich) sein Wunschgebiet gewählt.

Brauchen wir allerdings wirklich alles, was wir lernen? Lernen wir, weil wir es wollen oder weil wir es müssen? Und was bleibt am Ende übrig?

Masterplatzsuche – der Wahnsinn geht weiter

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

 

nicht nur Abiturienten sind von der Problematik unserer Hochschulpolitik betroffen. Haben diese erfolgreich einen Studienplatz erhalten, beginnen Sie voller Vorfreude zu studieren. Leider sind sie in das unausweichliche Bachelor-Master System gerutscht, das uns von den Zuständigen aufgedrückt wurde. Der bisher beliebte Diplomstudiengang wurde quasi in Deutschland ausradiert.

Der grundsätzliche Gedanke hinter der Bologna-Reform ist, dass der Bachelor einen berufsqualifizierenden Abschluss darstellen soll und der Master für diejenigen unter uns ist, die ihr Wissen gerne vertiefen wollen bzw. eine Karriere in der Forschung anstreben. So weit, so gut. Nur leider sieht die Realität wieder anders aus.

Als Bachelorabsolvent findet man in kaum einem Berufsfeld wirklich einen angemessenen Job. Master-Absolventen werden grundsätzlich besser bezahlt und ein solcher Abschluss wird in vielen Fällen sogar vorausgesetzt. Als Paradebeispiel führe ich einmal einen der Studiengänge vor, die von dieser Reform den meisten Schaden hat: Psychologie.

Als Psychologe darf sich in Deutschland nur bezeichnen, wer einen Masterabschluss im Fach Psychologie besitzt. Von den Bachelorabsolventen in München z.B. bekommen nur 1/3 einen Masterplatz! Und das obwohl der Psychologie-Bachelor quasi wertlos ist und man damit gerade einmal Praktikanten- und Hiwi-Jobs annehmen kann. Über 90% aller Psychologiestudenten will einen Master an den Bachelor dranhängen – was absolut verständlich ist. Warum also ist es nicht möglich allen Absolventen einen Masterplatz anzubieten? Beim Diplomstudiengang wurde auf der Hälfte auch niemand aus dem Studium gekickt, weil plötzlich nach dem 6. Semester 2/3 aller Studienplätze wegfallen.

Dieses Jahr stehen wieder zahlreiche Psychologiestudenten vor dem NICHTS. Sie können nicht weiterstudieren, da die niedrige Anzahl an Masterstudienplätzen durch die Durchschnittsnote begrenzt wird (wodurch auch sonst..). Eine Wartezeit wie bei der Auswahl von Abiturienten existiert schlicht und ergreifend nicht. Wenn man also auch hier sein Studium mit einer guten Note von 2.0 abgeschlossen hat, wird einem der weitere Fortgang verwehrt bleiben. Selbst mit einem umständlichen Ortswechsel nach 6. Semestern Bachelor hat man kaum eine Chance: Die Problematik ist an jeder Universität in Deutschland gleich. Gerade der Studiengang Klinische Psychologie bzw. allgemeine Psychologie mit genügend Punkten in Klinischer Psychologie, der notwendig ist, um die Psychotherapeutenausbildung nach dem Abschluss zu beginnen, ist sehr beliebt. Demnach liegen die Zulassungsgrenzen wieder jenseits von Gut und Böse.

Was, liebe Regierung und Universitäten, machen die Studenten nun?

Warum muss man vor und sogar während dem Studium Existenzängste und extremen Leistungsdruck haben – anstatt mit Leidenschaft und intrinisischer Motivation ein Fach zu studieren?

Diese Werte sind in unserer Gesellschaft leider in den Hintergrund gerückt, deshalb möchte ich das nächste Mal darauf eingehen, ob ein Studium für uns nur noch Leistungsdruck oder auch Spaß und Interesse am Fach bedeutet. Wie viel von dem, was wir lernen, brauchen wir später? Wie viel behalten wir im Gedächtnis? Wie gehaltvoll ist unsere Ausbildung eigentlich?

Lernen und studieren wir, weil ein Prüfungstermin angesetzt ist..

.. oder weil wir es wirklich wollen?

Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

jedes Jahr begeben sich tausende motivierte Abiturienten auf die Suche nach ihrem Wunschstudium. Haben sie dieses einmal gefunden, heißt es eine große Frustrationstoleranz aufzubauen.
Während einige Fächer zum Glück immer noch zulassungsfrei sind, gibt es andere sog. „Problemfächer“. Waren es die letzten Jahre noch Medizin, Psychologie und Zahnmedizin, reihen sich inzwischen auch Fächer wie Jura und BWL in diese Ordnung ein.
Für eine erfolgreiche Bewerbung muss man – abgesehen von einem extrem überdurchschnittlichen Abitur – auch die Bereitschaft eines Ortswechsels in Kauf nehmen. Kaum ein Student, der sich für eines dieser Fächer bewirbt, darf tatsächlich in seinem gewohnten Umfeld bleiben.
Natürlich sollte ein Student die Fähigkeit haben einen Ortswechsel zu ertragen – aber auch hier gibt es Einzelfälle, in denen man nicht vollkommen unabhängig ist. Manche sind schon seit Jahren in den Betrieb der Eltern (vielleicht sogar eine Praxis oder Kanzlei) eingebunden und tragen zum gemeinsamen Familienerfolg bei, wahrscheinlich sogar mit Aussicht diesen Betrieb später zu übernehmen. Andere haben Familie bzw. einen Partner/Partnerin, die aufgrund ihrer Ausbildung im Heimatort bleiben muss – eine fünfjährige Ausbildung im 700 Kilometer entfernten Studienort ist da sicherlich alles andere als zuträglich.
Diese und noch deutlich mehr Faktoren werden grundsätzlich bei der Studienwahl als unwichtig vorausgesetzt – man sollte doch flexibel sein, wenn man schon seinen Traum verwirklichen möchte.

Nun, nachdem man sich jetzt für Greifswald, Köln, München, Frankfurt, Heidelberg, Berlin und Kiel beworben hat wird man zunächst auf eine lange Geduldsprobe gestellt. In der Regel kann man anhand der Auswahlgrenzen des letzten Jahres seine Chancen abschätzen.
Ich möchte euch ein aktuelles (WS 14/15) Beispiel geben:

München: (Auswahlverfahren der Hochschule, NICHT Abiturbestenquote – diese ist so lächerlich, dass ich sie nicht beachtet habe)

Kriterien: Berufsausbildung ergibt einen Bonus auf die Durchschnittsnote des Abiturs (also wieder die determinierende Variable..) von 0.3

Der Bewerber hat also sein Abitur mit 2.0 abgeschlossen und anschließend eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht. Er geht mit 1.7 ins „Rennen“.

Der TMS (Test für medizinische Studiengänge) bringt bei einer Bestleistung von mindestens 90 % einen Bonus von 0.8, was schon gewaltig zu sein scheint. Allerdings muss man diese 90% auch erstmal erreichen. Belassen wir es aber mit einer positiven Wertung – immerhin ist das ein Test, den man nach dem Abitur ablegen kann und somit auch maßgeblich beeinflussen kann.

Der Bewerber hat also sein Abitur mit 2.0 abgeschlossen und anschließend den TMS mit 91 % absolviert. Er geht mit 1.2 ins „Rennen“.

Der letzte, genommene Bewerber hatte 1.1 – beide Bewerber werden also abgelehnt und das obwohl sie beide beachtliche Leistungen vollbracht haben. Die Determinante der Durchschnittsnote zeigt sich also immer noch deutlich.

Köln, Kiel, Düsseldorf und noch viele andere geben sich gar nicht die Mühe mehr Kriterien miteinzubeziehen. Ohne eine reine Durchschnittsnote von mind. 1.4 (inklusive Nachrückverfahren!) darf man nicht mal an eine Immatrikulation denken.

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, darf gerne selbst auf der Seite „hochschulstart.de“ unter Auswahlgrenzen etwas stöbern.

Bei Psychologie gibt es keine zentrale Vergabestelle der Studienplätze – man muss sich an den Universitäten bewerben. Auch hier kann man mit einer Note schlechter als 1.6 nicht auf einen Platz hoffen. Gerade in Psychologie! Dem Fach, wo man meinen müsste, dass die Durchschnittsnote als Prädiktor für ein erfolgreiches Studium zwar gegeben ist, aber keineswegs für den Erfolg im Beruf!

Nun benötigen wir eine Lösung für das Problem. Dazu blicken wir in unser Nachbarland Österreich.

Hier findet im Fach Psychologie sowie auch Medizin einmal im Jahr ein Aufnahmetest statt – an allen Universitäten in Österreich zur gleichen Zeit. Somit kann man sich effektiv nur für eine Universität pro Jahr bewerben. Der Aufnahmetest setzt sich aus unterschiedlichen Komponenten zusammen. Beim Psychologie-Test soll relevante Literatur gelernt werden, ein Englischtest sowie eine Logikteil absolviert werden. Gerade die Komponente mit dem Lehrbuch finde ich sehr ansprechend. Ich kenne genug Personen, die beim Lernen auf den Aufnahmetest merken, dass die Studieninhalte ihnen nicht gefallen. Man lernt tatsächlich Themen, die man in den ersten Semestern im Studium ebenso lernen muss. Diese Personen sind zum Teil aufgrund dieser Erkenntnis nicht angetreten. Eine Vorselektion findet also statt.

Ja – ein bundesweiter Test ist aufwendig – allerdings mit einer kleinen Antrittsgebühr durchaus zu refinanzieren. Die Abiturbestenquote kann man beibehalten – somit zählt ein guter Schulabschluss weiterhin als Kriterium. Aber die restlichen 80% der Plätze kann man durchaus durch ein Auswahlverfahren vergeben. Man müsste sich nur die Organisationsarbeit machen. Nach einigen Jahren wäre das Prinzip aber wahrscheinlich so eingespielt, dass sich kaum jemand mehr beschweren würde. Denn sowohl die, die mit einem 1er Abitur glänzen, als auch jene, die während der Abiturzeit ihr Abi mit 3.8 verschlafen haben, haben die Chance auf einen Studienplatz.

Auswahlgespräche wären sicherlich die beste Selektionsmöglichkeit, allerdings sehe auch ich hier deutlich, dass der Organisationsaufwand bei einer solchen Masse an Bewerbern nicht zu stemmen wäre.

Es gäbe sicher einige Modelle, aber es betrifft eben nur eine „relativ“ kleine Zielgruppe, sodass die eigene Stimme kaum gehört wird. Man muss nur in Foren oder soziale Plattformen schauen, dann sieht man genug unfassbare Einzelschicksale, die von diesem System betroffen sind!

Also, liebe Bildungspolitiker und Universitäten, wacht endlich auf und gebt den Studenten der Zukunft eine gerechte Perspektive!

NC – oder auch „Nicht Clever“

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

ich habe ja schon versprochen nochmal explizit auf das Thema „Numerus Clausus“ einzugehen. Auch wenn ich voraussetze, dass meine Leser dieser Begrifflichkeit mächtig sind, will ich nochmal eine Definition bieten – nur um Missverständnisse vorzubeugen.
Numerus Clausus ist kein anderer Begriff für „Durchschnittsnote“. Numerus Clausus bezeichnet die Durchschnittsnote des zuletzt zugelassenen Bewerbers in einen Studiengang. Dabei möchte ich nochmal betonen, dass jemand, der die Note 2.0 hat, nicht zwangsläufig angenommen wird, wenn bei den Zulassungsgrenzen „2.0“ steht. Dann entscheidet nämlich in der Regel das Los, welche der Personen, mit der gleichen Qualifikation, angenommen werden.

Dieses Maß, das vollkommen üblich an deutschen Universitäten ist, sollte dementsprechend alle Abiturienten mit der gleichen Note gemäß ihrer Qualifikation und ihres Wissensstandes gleichsetzen. Leider entspricht das nicht der Realität. Ich will euch Gründe liefern, weshalb ich dieser Meinung bin.

1. Das Abitur in Deutschland ist nach so vielen Jahren immer noch kein einheitliches Zentralabitur. Rheinland-Pfalz hat noch nichtmal ein landesweites Zentralabitur! Die Prüfungen, die ein Schüler in Bayern ablegen muss, sind also nicht die Gleichen wie die eines Schülers in Berlin. Wie kann man also daraus schließen, ob die Schüler wirklich die gleich „schwierige“ Aufgabe bekommen haben. Subjektive Berichte gibt es genug, dass in bestimmten Bundesländern das Abitur anspruchsvoller ist als in manch anderen Bundesländern. Offiziell darf man natürlich solche Spekulationen nicht in den Raum werfen!
Der Witz ist: Bei der Studienplatzvergabe werden plötzlich alle Absolventen gleichgestellt. Jedes Land macht zwar bildungstechnisch, was es möchte, aber bei der Bewerbung um einen Studienplatz in der eigenen Stadt werden plötzlich Bewerber aus anderen Bundesländern mit einem besseren Schnitt vorgezogen.
Wenn man sich also gegen ein deutschlandweites Zentralabitur wehrt, muss man in Konsequenz den Abiturienten des eigenen Bundeslandes einen Vorteil geben an ihren nahen Universitäten zu studieren. Selbstverständlich will das niemand – und auch ich widerspreche dem, denn ich finde, dass wir ein Land sind und ein Zentralabitur schon lange notwendig ist. Wovor fürchten sich die Politiker denn? Davor, dass ein Schüler aus Bundesland X plötzlich anstatt 1,3 nur noch 2,8 bekommt?

2. Die Durchschnittsnote des Abiturs hängt (Gott sei Dank..) nicht nur von den Abschlussprüfungen ab. Sie errechnet sich aus den Leistungen der letzten zwei Schuljahre. So weit, so gut. Doch da kommen wir in den Bereich der subjektiven Bewertung durch Lehrkräfte. Kaum eine Prüfung genügt den Anforderungen eines validen, reliablen und objektiven Tests. Viele Noten kommen durch reine Willkür, gute bzw. schlechte Laune und Motivation der Lehrkraft, Sympathie etc. zusammen. Bei manchen Lehrern reicht bei der Bewertung eines Referates ein kopierter Wikipedia-Eintrag, andere sind da weitaus anspruchsvoller. Bei einer glücklichen Konstellation der Lehrkräfte kann man also bei der gleichen Leistung eine bessere Durchschnittsnote erzielen als ein anderer Schüler einer anderen Klasse oder Schule. Jeder, der sich etwas mit den Schulen in seinem Umkreis beschäftig hat, weiß, dass es auch da Unterschiede gibt: Manche Schulen vertreten einen eher strengen Ruf und andere sind eben „normal“. Das sind alles Faktoren, die die so wichtige Durchschnittsnote beeinflussen. Würden wir wirklich ein Maß wollen, das alle Leute gleichsetzt, dann müssten wir auch die exakt gleichen Bedingungen bieten. Das ist aber leider nicht der Fall. Und wird auch in der Zukunft nicht so leicht umzusetzen sein – aber man könnte es durch Veränderungen in der Ausbildung der Lehrkräfte und einer regelmäßigen Evaluation durchaus auf einem Qualitätsstandard halten.

3. Schüler mit gewissen Talenten im „Auswendiglernen“ werden in der Schule immer bessere Noten haben als andere Schüler. Kollegen, die mit einem unsagbaren Musik-, Kunst-, oder Sporttalent gesegnet waren, hatten keine Schwierigkeiten in ihren Leistungskursen mit der Bestnote abzuschließen, während andere sich durch mathematische Formeln quälen oder explizit Vokabeln auswendig lernen mussten. Wenn man gut im „Auswendiglernen“ war, dann konnte man überall mit der Bestnote abschließen, ging es dann aber um das tatsächliche Verstehen eines Sachverhaltes war in der Regel eher Endstation.
Ich persönlich bin mit einem Talent in Organisationsfähigkeit und emotionaler Intelligenz gesegnet. Bringen diese Werte etwas in der Schule? Nein.
Eine umfassende Bewertung der Fähigkeiten der individuellen Schüler wäre sinnvoller als alles auf’s „Auswendiglernen“ zu reduzieren. Selbstverständlich würde das aber mehr Aufwand bedeuten. Also.. lieber alles beim Alten lassen, beschwert sich ja sowieso keiner, oder?

Ich denke das sollten erstmal genug Gründe sein, weshalb ich eine einheitliche Bewertung der Durchschnittsnote nicht für sinnvoll halte. Die Universitäten differenzieren nicht darin, welche Kompetenzen man eigentlich für ein Studium mitbringt, sondern selektieren nur nach einem „Allgemeinwert“. Ob man nun BWL, Psychologie oder Medizin studieren möchte – man wird über einen Kamm geschert.

Der NC ist lediglich bequem – von einem Nutzen kann man hier nicht sprechen!

Das nächste Mal will ich genauer auf die Auswahlgrenzen eingehen und euch ein Bild davon machen, weshalb der NC begabte Abiturienten davon abhält ihr Talent zu verwirklichen.

Abitur – was nun?

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

jahrelang wurden wir nur auf Eines getrimmt: „Mach‘ dein Abitur!“. Als das Abitur noch etwas weiter weg war und wir uns unseren Weg durch den Schuldschungel gebahnt haben, da schien es noch unerreichbar. Doch eines Tages standen die Abschlussprüfungen vor der Türe, die favorisierten Fächer wurden gewählt und sorgfältig (zumindest hofften wir das..) einstudiert. Die Abifeier und die Abschlussfahrt waren organisiert und man hatte das Gefühl, dass Einem jede Türe offen steht, wenn man nur einmal das Zeugnis in der Hand hält.

Umso ernüchternder war der Moment, in dem man sich aus den schier endlosen Möglichkeiten seine ganz Individuelle heraussuchen sollte. Es stehen einem doch alle Türen offen, haben sie gesagt. „Wenn du einmal dein Abitur hast, dann kannst du machen, was du möchtest.“, klang es noch in unseren Ohren.

Dass es inzwischen ganz anders ist, hatte uns niemand gesagt.

Eine Ausbildung? Ein Studium? Ein dualer Bildungsweg? Moment.. wenn man ein Abitur hat, dann sollte man doch studieren gehen! Oder?
Jeder, der nach dem Abitur äußerte, dass er eine Ausbildung machen wolle, kennt das Gefühl. Man wird schief angesehen – denn wenn man eine Ausbildung machen wollte, dann hätte man doch keine allgemeine Hochschulreife erarbeiten müssen.
Und doch.. wenn man anspruchsvoll ist, dann gibt man sich nicht mit weniger Bildung zufrieden. Man absolviert den höchsten Abschluss, den man erreichen kann. Denn dann stehen einem sowieso alle Türen offen. Ganz abgesehen von der gesellschaftlichen Reputation und der Möglichkeit später vielleicht doch noch ein Studium anzuhängen.

Doch auf der Suche nach einem passenden Studium beginnen schon die ersten Restriktionen. „Note des letzten angenommenen Bewerbers: 1.3“ – ein Blick auf das eigene Zeugnis lässt einen dabei etwas melancholisch werden. Zumindest wenn man zu den 80% derer gehören, die ein normales, gutes Abitur abgeschlossen haben.
„Hilfe! Wie kann ich meine Note noch ändern? Gibt es noch andere Möglichkeiten aufgenommen zu werden außer über die Durchschnittsnote??“ – In manchen Fächern ja – in den überlaufenen Fächern wie Medizin und Psychologie nur in der Theorie. Zusatztests, Schulnoten in diversen Fächern (oh, wie differenzierend – jemand, der ein 1.4er Abitur hat, wird sicherlich in Englisch den Zusatzpunkt nicht bekommen, weil er zu schlecht war!) und Auswahlgespräche (die oft eine Noten-Restriktion haben z.B. wird man nur bis 1.8 eingeladen..) sind leider in der Praxis quasi wertlos. Sie sind eine Art Pseudo-Argument der Bildungspolitiker und Universitäten, dass natürlich nicht nur über den NC entschieden wird, wer einen Platz bekommt.
Eine zusätzliche Berufsausbildung als Krankenpfleger, Ergotherapeut oder Rettungssanitäter, welche in meinen Augen einen absoluten Qualifikationsvorteil bieten sollte, zählt in der Regel wenig bis gar nicht. Eine Anrechnung auf den Notenschnitt von 0,3 bringt jemanden, der sein Abitur mit einer guten Note von 2.2 abgeschlossen hat leider lediglich auf 1.9! Bei Zulassungsgrenzen von 1.1 ist das leider nicht mal mehr ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Allerdings möchte ich auf das Thema „Numerus clausus“ gerne nochmal in einem separaten Beitrag eingehen.

Das Problem vieler Hochschulabbrecher ist nicht nur die Determination durch das eigene Abitur und die damit erzwungene falsche Studiengangswahl, sondern vor allem auch das große Angebot an Möglichkeiten. Das ist keineswegs zu kritisieren! Eine große Auswahl ermöglicht auch eine bessere Spezialisierung und Streuung der Absolventen.
Das Problem ist hierbei ist unser unzureichendes Schulsystem. Unsere Fächer konnten wir weitesgehend nicht selbst wählen, weshalb wir dazu neigen gewisse Studiengänge in Schubladen zu packen. Ingenieurswesen ist „irgendwas mit Mathe“, Medizin nur was für „Biologiefreaks“, Psychologie schafft man nur, wenn man in Mathe und Englisch ein „Profi“ ist und BWL macht man, wenn man sonst nicht weiß, was man studieren soll.
Viele Schüler bzw. Abiturienten neigen also nach der Schule dazu Fächer weiterzustudieren, in denen sie bisher nicht schlecht waren. Das Physikass studiert Physik, der Chemieexperte natürlich Chemie und das Mädchen, das immer gut Aufsätze schreiben konnte, studiert nun Germanistik.
Schön und gut – aber im Endeffekt weiß vermutlich keiner von den Dreien, wo der Weg hinführen wird. Zumal die Schulphysik nur im Entferntesten etwas mit den Anforderungen in einem Physikstudium zutun haben und man mit reinem „Schreibtalent“ in Germanistik grundlegend falsch ist.
Würde man sich in der Schulzeit mehr mit seinen Interessen auseinandersetzen können und mehr (bzw. „überhaupt“) Schwerpunkte wählen können, dann könnte man sich schon vor dem Tag der Abiturzeugnisübergabe Gedanken über seinen Lebensweg machen.
Eine implementierte Aufklärung über Berufsfelder und der eigenen Stärken wäre in der Sekundarstufe besser aufgehoben als die x-te Berechnung einer mathematischen Funktion, die kaum ein Mensch später noch weiß, der nicht vor hat ein spezifisches Studium anzufangen.

Das gleiche Phänomen wird sich auch noch in der Zukunft jedes Jahr erneut zeigen, wenn sich nichts ändert:

Der Abiturient steht nach dem hart erarbeiteten Abitur da..

.. und weiß nicht, welcher Weg für ihn der Richtige ist.

Ein Sturm zieht auf..

Liebe Freunde, Kommilitonen, Interessierte, Fremde und Zweifler,

ich heiße euch herzlich auf meinem Blog willkommen.

Bei der Aufforderung einen Titel für meinen Blog einzugeben, kam ich zunächst ins Stocken. Habe ich doch so viele Ideen, die ich in die Welt hinausschreien möchte – nur wie lässt sich das alles in einem kurzen Titel vereinbaren?
Wie ihr sehen könnt habe ich mich dafür entschieden meinen Blog „Bildungsgewitter“ zu nennen. Jahrelang brauen sich schon viele Warm- und Kaltfronten zusammen, umkreisen sich und steuern irgendwann unweigerlich aufeinander zu, um sich schließlich in einem gewaltigen Sturm auszutoben und zu entladen.
Diesem Sturm möchte ich nun eine Stimme geben – sodass Ihr nicht nur das Schauspiel fühlen, sondern auch lesen könnt.

Doch bevor die ersten Regentropfen fallen, möchte ich zunächst meine Person vorstellen – damit ihr wisst, mit wem ihr es zu tun habt.

Ich bin Studentin, eingeklemmt im verfahrenen Bildungssystem, welche gezwungen war ins Ausland (nicht allzu fern – in’s alpine Österreich) zu gehen, um dort ihren Lebenstraum zu verwirklichen und Psychologie zu studieren. Inzwischen bin ich im Master angekommen und verfolge fleißig diverse Social-Media-Outputs zum Thema Bildung in Deutschland. Mein Abitur habe ich im schönen Bayern gemacht – mit einer Note von 2,0. (Das Durchschnittsabitur Jahrgang 2009 in Bayern liegt bei 2,4). Noch naiv von der Unbeschwertheit der Schule freute ich mich darauf mich an der Universität einzuschreiben – doch das sollte nicht so leicht funktionieren, wie ich es gedacht hatte. Mein Wunsch war es schon immer Psychologie zu studieren – in ganz Deutschland konnte man jedenfalls mit einer Note von 1,7 gerade so zugelassen werden – und auch damit nur, wenn man ein Städteroulette in Kauf nimmt (inzwischen ist dieser Wert sogar noch gestiegen.. aber darauf komme ich in einem späteren Eintrag zu sprechen).
Unfähig zu glauben, dass das Realität ist, habe ich dennoch an jede Universität, die den Studiengang Psychologie anbietet eine Bewerbung geschrieben. Abgesehen vom zeitlich und finanziellen Aufwand war es dennoch ernüchternd zu sehen, dass ich an jeder Universität eine Absage erhalten hatte.

Unter dem Druck endlich ein Studium zu beginnen, entschied ich mich Jura in Bayern zu studieren. Im Nachhinein ist es immer schwerer zu verstehen, warum man eine bestimmte Entscheidung getroffen hat – jedenfalls beeinflussten mich damals persönliche Faktoren und ich begann ein Studium, welches ich drei Semester darauf wieder abbrach. Es langweilte mich schlicht und ergreifend. Es war nicht das, was ich machen wollte. In der Zwischenzeit erfuhr ich von der Option im Ausland – genauer genommen in Österreich – zu studieren. Ich informierte mich darüber und war recht begeistert, dass zwischen mir und dem angestrebten Studienplatz „nur“ eine Aufnahmeprüfung stand. Darin sah ich meine Chance, dem Bildungschaos in Deutschland zu entkommen. Nichtsdestotrotz war ich alles andere als begeistert nach Österreich zu ziehen – schließlich wollte ich doch in Deutschland meinen Abschluss machen.

Nun sitze ich hier, beobachte recht objektiv das Spektakel in Deutschland und kann nicht weiterhin nur den Kopf schütteln.
Meine Eltern zahlen selbstverständlich weiterhin (absolut genug) Steuern in Deutschland und dürfen mitansehen wie die eigene Tochter ins Ausland getrieben wird, um ihr Wunschstudium zu studieren. Diese Steuergelder fließen in die absolut ungerechte und teils ineffiziente Bildungspolitik in Deutschland.

Womit wir auch schon beim Thema meines Blogs wären – ich möchte euch verschiedene Aspekte der Bildung in Deutschland nahelegen. Die Studienplatzsuche der Abiturienten, die Masterplatzsuche der Bachelorabsolventen, die völlige Überforderung junger Schüler in Gymnasien, die Akademikerflut, der Notenwahnsinn und die völlig veraltete, überholungsbedürftige Bildungspolitik alternder Meinungsvertreter in Deutschland sind dabei nur einige Themen, die ich aufgreifen möchte.

Ich hoffe, dass dieser Blog auch Leuten, die nicht direkt betroffen sind, verdeutlicht, was alles schief läuft und wofür jeder Arbeitende einen Teil seines Lohns hergeben muss.

Eines ist jedoch klar – es muss sich auf kurz oder lang etwas ändern, wenn wir nicht dem Bildungsinfarkt erliegen wollen.